"Wie sicher ist mein Geld bei Kurseinbrüchen oder Krisen an den Finanzmärkten?"
S. Pflugmacher: Kursschwankungen an den Märkten sind normal und unvermeidbar, aber sie bedeuten keinen dauerhaften Verlust, solange Sie nicht gezwungen sind, in Tiefphasen zu verkaufen. Durch eine kluge Aufteilung Ihres Vermögens sorgen wir dafür, dass Ihre laufenden Entnahmen stets aus schwankungsarmen, kurzfristig verfügbaren Bausteinen gedeckt sind. Ihr langfristig investiertes Kapital hat dadurch die nötige Zeit, Schwankungen auszugleichen und Erträge zu erwirtschaften. Zudem gilt Ihr Depot als Sondervermögen und ist rechtlich vollkommen geschützt. Zusätzlicher Tipp: Sparplan einrichten und vom Cost-Average-Effekt profitieren.
"250.000 Euro aus Lebensversicherung – Ist eine sofortbeginnende Rente sinnvoll?"
S. Pflugmacher: Eine sofortbeginnende Rentenversicherung kann durchaus eine sinnvolle Option sein – sie ist jedoch selten die einzige und oft nicht die flexibelste Lösung. Der klassische Vorteil einer Rentenversicherung liegt auf der Hand: Sie erhalten eine garantierte, lebenslange Zusage inklusive möglicher Überschussbeteiligungen. Hier lohnt es sich jedoch, genau hinzuschauen: Fragen Sie Ihren Berater konkret danach, wie hoch die tatsächlichen Überschüsse der jeweiligen Gesellschaft in den vergangenen Jahren ausgefallen sind. Bevor Sie eine finale Entscheidung treffen, sollten Sie das Kapitalangebot nie isoliert betrachten. Stellen Sie sich vorab folgende zentrale Fragen für Ihre Vermögens- und Ruhestandsplanung:
- Flexibilität & Kapitalbedarf: Benötigen Sie in den kommenden Jahren größere Teilbeträge – etwa für die Unterstützung von Kindern oder Enkeln?
- Inflation: Reicht eine fixe Rente aus, um die schleichende Geldentwertung über 20 bis 30 Jahre Ruhestand auszugleichen?
- Instandhaltung & Wohnen: Stehen am Eigenheim in absehbarer Zeit Reparaturen oder energetische Sanierungen an?
- Pflegebedürftigkeit: Ist Ihr finanzielles Polster für eventuelle Pflegekosten im Alter ausreichend strukturiert?
Alternativen und steuerliche Aspekte prüfen. Eine bedenkenswerte Alternative zur klassischen Versicherung ist ein entnahme- bzw. auszahlbasierter Fondssparplan. Ein wissenschaftlich strukturierter Entnahmeplan bietet Ihnen deutlich mehr Flexibilität, da Ihr Kapital verfügbar bleibt und gleichzeitig Renditechancen am Markt nutzen kann. Zwar bietet die private Rentenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen steuerliche Vorteile (wie die Ertragsanteilsbesteuerung). Allerdings gilt: Die Steuerersparnis sollte niemals das einzige Entscheidungskriterium sein. Was zählt, ist das Gesamtkonzept Ihrer Ruhestandsplanung.Vergleichen Sie vor dem Abschluss verschiedene Rentenversicherungsangebote und stellen Sie diese einem flexiblen Auszahlplan gegenüber. Sie stehen vor einer ähnlichen Entscheidung? Lassen Sie uns Ihre Wünsche und Ihren Kapitalbedarf im Ruhestand gemeinsam analysieren – unabhängig, transparent und auf Ihre persönliche Lebenssituation abgestimmt.
"Mir wurde der DWS Vermögensbildungsfonds I angeboten– Ist der Fonds der Bank ein gutes Investment?"
S. Pflugmacher: Der DWS Vermögensbildungsfonds I hat in den vergangenen Jahren zweifellos eine gute Rendite erzielt. Die DWS ist die größte deutsche Fondsgesellschaft, und der Renditetreiber in diesem Fonds sind ganz klar Aktien. Doch eine gute Historie ist nur die eine Seite der Medaille. In den letzten Jahren wurden viele Anleger von steigenden Kursen verwöhnt. Wer heute investiert, muss sich jedoch vor allem eine Frage stellen: Welche Rückschläge kann und will ich emotional sowie finanziell wirklich verkraften? Bevor Sie das Angebot Ihrer Bank annehmen, sollten Sie folgende Aspekte in Ihre Entscheidung einbeziehen:
- Insolvenzschutz durch Sondervermögen: Investmentfonds bieten ein hohes Maß an rechtlicher Sicherheit. Das eingebrachte Geld gilt als Sondervermögen, ist im Falle einer Banken- oder Fondsgesellschafts-Insolvenz geschützt und bleibt Ihr Eigentum.
- Der reale Härtetest bei Kursschwankungen: Fondsmanager können den Markt ebenso wenig vorhersehen wie Privatanleger. Wie reagieren Sie oder Ihre Familie, wenn das Depot phasenweise um 30 % im Minus steht? Das Marktrisiko bleibt bestehen.
- Verbreitete Irrtümer bei der Streuung: Zwar bietet ein einzelnen Aktienfonds bereits eine erste Streuung, aber eine echte Diversifikation – der sprichwörtliche "Free Lunch" der Kapitalanlage – erreicht man erst durch die gezielte Kombination verschiedener Anlageklassen.
Ein Vergleich veranschaulicht das Prinzip gut: Vergleicht man Risiken mit Feuer, kann dieses wärmen – oder eben erbrennen. Ähnlich verhält es sich mit Medikamenten: In hoher Einzeldosis gefährlich, in der richtigen Dosierung und Kombination heilend. Auf die richtige Mischung kommt es an! Für einen nachhaltigen Vermögensaufbau und Vermögensschutz im Ruhestand kommt es nicht auf den einen "Modefonds" der Bank an, sondern auf breite Streuung und strikte Kostenkontrolle. Eine sinnvolle Beimischung von festverzinslichen Bausteinen oder breit gestreuten Welt-ETFs kann das Gesamtrisiko Ihres Depots deutlich stabilisieren. Fragen Sie sich nicht nur, was der einzelne Fonds bringt, sondern welche Rolle er in Ihrem Gesamtdepot spielt.
Sie möchten wissen, ob Ihre Fondsanlage wirklich zu Ihrer Risikotoleranz passt? Lassen Sie uns Ihr Depot oder das Angebot Ihrer Bank gemeinsam unter die Lupe nehmen – wissenschaftlich fundiert, unabhängig und ohne den Vertriebsdruck einer Hausbank.
"Ich habe gelesen, dass es sinnvoll wäre, in ETF-Fonds anzusparen. In einem Forum las ich von einem günstigen ETF-Fonds mit Dax-Werten. Ich bin der Empfehlung gefolgt. Eine zeitlang ist meine Investition gut gelaufen. In letzter Zeit habe ich fast alle Gewinne wieder eingebüßt. Die Nachrichten für Deutschland sind doch gut, wenn China-Markt fällt, warum fällt dann auch mein ETF-Fonds? Ich dachte, ich habe mit dem Markt nichts zu tun und bin nur in deutschen Aktien investiert".
S. Pflugmacher: Das stimmt grundsätzlich. Die Märkte heutzutage reagieren nicht nur auf Wirtschaftsnachrichten. Die Börsen sind geprägt von Emotionen, denen sich viele Anleger nicht entziehen können. Unter anderem gibt es mittlerweile automatische Computerprogramme, die Wertpapiere bei einem gewissen Kurs automatisch verkaufen. Dieses drückt dann auch wieder den Markt, weil das Angebot plötzlich zunimmt. Grundsätzlich müssen Sie wissen: Wenn Sie in Aktien investieren, die in einem speziellen Segment eingeordnet sind, Sie genau darauf spekulieren das dieses Segment steigt. Wenn das nicht der Fall ist, ist Ihre Spekulation fehlgeschlagen. Wenn Sie lediglich in Aktienfonds investieren, was langfristig (Zeitraum zwischen 7 bis 10 Jahren und länger) auch in Ordnung geht, Sie nur die Möglichkeit haben dieses durchzuhalten. Über diese Dinge sollten Sie sich vorher im Klaren sein, ansonsten Finger weg! Nur weil Sie einen günstigen ETF-Fonds mit Dax-Werten gekauft haben (was schon mal eine gute Idee ist), schützt Sie das nicht vor Verlusten. Eine breite Streuung sollten Sie immer vornehmen.
"Woran erkenne ich unseriöse Anlageangebote?"
S. Pflugmacher: Seien Sie vorsichtig bei unerwarteten Anrufen oder Nachrichten, Zeitdruck, Geheimtipps, angeblich sicheren hohen Renditen oder Forderungen nach Überweisungen auf unbekannte Konten. Prüfen Sie Anbieter und Unterlagen unabhängig, geben Sie keine Zugangsdaten weiter und treffen Sie keine Entscheidung unter Druck. Eine zweite Meinung kann helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen. Fragen, die Sie sich vor einer Anlageentscheidung stellen sollten:
- Wann brauche ich das investierte Geld wieder?
- Welche Verluste könnte ich finanziell und persönlich verkraften?
- Wie schnell kann ich über mein Geld verfügen?
- Welche einmaligen und laufenden Kosten entstehen?
- Welche Risiken bestehen und wie breit ist die Anlage gestreut?
- Was geschieht bei einem Börsenrückgang?
- Wie passt die Anlage zu meinen geplanten Entnahmen?